Kräuter für die Frau. Feministinnen vs. Chemiekonzern

Von Catrin Dingler

Jungle World | 16 maggio 2019

Die feministische Satirezeitung »Aspirina« musste auf Druck des Bayer-Konzerns ihren Namen ändern. Wollte sich das Pharmaunternehmen wegen kritischer Berichterstattung rächen?

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat die Risiken und Nebenwirkungen der Übernahme des US-Agrarkonzerns und Glyphosatherstellers Monsanto unterschätzt. Zwar war der dadurch entstehende Imageschaden einkalkuliert, nicht aber der aus dem Kauf von Monsanto resultierende Kursverlust. Schließlich drohen in anhängenden Gerichtsverfahren wegen des Verdachts der krebserregenden Wirkung von Glyphosat Schadensersatzzahlungen in unvorhersehbarer Höhe. Mittlerweile hat das Dax-Vorzeigeunternehmen fast 40 Pro­zent seines Börsenwerts vor der Übernahme verloren. Die Anteilseigner sprachen deshalb Ende April auf der Aktionärshauptversammlung dem Vorstandschef, Werner Baumann, ihr Misstrauen aus. Doch ist die Fehleinschätzung tatsächlich allein dem »Größenwahn eines Managers« ­(Focus) geschuldet? Wie erst vergangenen Monat bekannt wurde, war der Konzern seit längerem von einer anderen Affäre abgelenkt. In Italien bekämpfte Bayer seit November 2017 eine vermeintlich besonders gefähr­liche Konkurrenz: die vor Witz und Übermut sprudelnde Zeitschrift ­Aspirina.

Das nach der bekannten Schmerztablette benannte feministische Satiremagazin war 1987 im Umfeld des Mailänder Frauenbuchladens gegründet worden. In jenen Jahren florierte die feministische Theorieproduktion, die Publikationen der »Mailänderinnen« machten das italienische Denken über die sexuelle Differenz außerhalb der Landesgrenzen bekannt, an der Universität von Verona etablierte sich die Philosophinnengemeinschaft Diotima. Gleichzeitig hegte eine kleine Gruppe von Frauen den Wunsch, dem Feminismus nicht nur einen akademischen, sondern noch dazu einen künstlerisch-humoristischen Ausdruck zu geben. Mit einer ironischen Bildsprache wollten sie über sich selbst und die innerfeministischen Konflikte lachen können. Das neu gegründete Satiremagazin erhielt den Namen As­pirina, weil eine der Initiatorinnen, die Autorin Bibi Tomasi, wegen chronischer Beschwerden zu einer Dauerkonsumentin der berühmten Schmerztablette geworden war.

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